Dienstag, 12. Mai 2009

Wir waren da! Workshop beim EFC in Hannover

Stimmenhören oder "akustische Halluzinationen", werden vielfach als Symptome
psychiatrischer Erkrankungen (u.a. der Schizophrenie) interpretiert. Die medikamentöse
Behandlung dieses Phänomens hat das Verschwinden der Stimmen zum Ziel. Prof. Romme und Dr. Escher (Universität Maastricht und Birmingham) schlagen nach über 20 jähriger Auseinandersetzung mit dem Thema und der Auswertung umfangreicher Forschungsarbeiten den Ansatz der erfahrungsfokussierten Beratung in der Arbeit mit Stimmenhörern vor.

Diesem Ansatz liegt die Erkenntnis zugrunde, dass es wichtig ist, die Stimmen zu akzeptieren. Auf diese Weise kann ein Recoveryprozess auch von chronischen psychiatrischen Erkrankungen gelingen.

Der von Prof. Marius Romme und Dr. Sandra Escher entwickelte Leitfaden ist unter dem Titel 'Stimmenhören verstehen' im Psychiatrieverlag 2008 als Buch erschienen.

Ziel des efc Instituts ist es, diesen neuen Ansatz in der Arbeit mit Stimmenhörern u.a. in der Form von Workshops, internen Fortbildungen, sowie Vorträgen im deutschsprachigen Raum zu verbreiten. (Zitat efc-institut)

Der trialogische Workshop war für alle TeilnehmerInnen ein voller Erfolg. Eine gelungene Mischung von Übungen, Gruppenarbeit, Theorie, Erfahrungsberichten, Forschungsergebnissen, Rollenspielen, Praxisbeispielen, Schlussfolgerungen und Konsequenzen gemeinsam eingebracht durch Betroffene, Professionelle und Angehörige war für uns eine ganz neue Erfahrung. Wir haben das Licht im Tunnel sehen können.

Mit den Stimmen leben ist der Zielfokus.

Im Recoveryprozess erfahren können, wo die Auslöser bzw. Ursachen liegen können, stellt einen möglichen gangbaren Weg dar. Festzustellen, dass zwei Drittel der StimmenhörerInnen nie den Weg über die Psychiatrie beschritten haben, lässt hoffen, dass sich für diejenigen, die ihn beschreiten, möglicherweise eine neue Perspektive öffnet. Zu wissen, dass es viele berühmte StimmenhörerInnen gab und gibt, bewirkt das Seinige.

Stimmenhören muss nicht gleichbedeutend mit Schizophrenie sein.

Eine Grundlage zu diesem Workshop war das praktische Unterstützungssystem von Ron Coleman (Betroffener) und Mike Smith (Professioneller). Es ist übrigens als psychosoziale Arbeitshilfe 14:
"Stimmenhören verstehehen und bewältigen" im Psychiatrie-Verlag erschienen.
Das Arbeitsbuch kann alleine durchgearbeitet werden, mit Professionellen und auch gemeinsam in Selbsthilfe Gruppen.

http://www.psychiatrie-verlag.de

Eine wichtige Botschaft des Seminars war und so ist es auch im Arbeitsbuch vermerkt: (Zitat)
"Wir müssen immer wieder betonen, dass die Arbeit am Umgang mit den Stimmen langwierig und schwierig ist und es vorkommen kann, dass die gewählten Bewältigungsstrategien nicht sofort wirken.

Es ist völlig in Ordnung, wenn die Arbeit am Umgang mit den Stimmen nicht sofort klappt!

Auf die Dauer wird es klappen. Selbst wenn die Veränderung sich nicht sofort direkt auswirkt, so wird sich wenigstens Ihre Sichtweise und Ihr Verständnis des Stimmenhörens verändert haben. Dann können Sie auf Grund der neuen Sichtweise Ihren eigenen Weg suchen, auf dem Sie Ihren Stimmen nicht mehr ausgeliefert sind, sondern auf dem Sie wieder Kontrolle über Ihre Stimmen erlangen."

Wenn Sie für sich sagen können: Ich höre Stimmen UND ich habe meine Leben jetzt wieder besser im Griff, dann hat sich Ihr harter Arbeitseinsatz, egal wie lange es gedauert hat gelohnt.

...und noch etwas: SIE SIND DER BESTIMMER IHRES LEBENS! ODER?

In diesem Sinne

UBI BENE

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